Fair Fashion: Worauf es ankommt…

Von Berufswegen kenne ich Nachhaltigkeitsstandards in der Lebensmittelindustrie und konnte daher bereits einige Artikel in diesem Blog zu Themen rund um Rohstoffe, wie Palmöl oder gesellschaftliche Phänomene, wie Lebensmittelverschwendung schreiben.

Je mehr ich mich allerdings im Alltag bewege, desto mehr wird mir bewusst, wie wichtig es ist einen nachhaltigen und bewussten Lebensstil zu führen.

So hatte ich mir bereits vor ca. einem Jahr vorgenommen Klamotten nur noch zu ersetzen anstatt immer mehr zu kaufen. Das bedeutet, dass wenn ein Kleidungsstück irreparable Löcher oder andere Mängel hat ich es ersetzen „darf“.

Eigentlich klappt das ziemlich gut, weshalb ich meine Klamotten wohl überlegt einkaufe. Mein Kleiderschrank spiegelt daher eher einen zeitlosen Stil wieder, der laut meiner Freunde auch gut zu mir passt.

Nun war es vor zwei Monaten wieder soweit. Gleich zwei neue Pullover mussten her.

Beide hatte ich innerhalb der zwei Monate in einem Designer Laden gekauft und dachte mir, dass diese zwar teurer sind, aber ich sie recht lange habe und die Herstellungsstandards mit Sicherheit ein bisschen besser sein werden, als bei Massenprodukten von H&M & Co.

Das Etikett verrät aber: Herstellungsort China. Siegel für gewisse Standards: keines.

Nun möchte ich den beiden Designern nichts Unrechtes. Allerdings konnte ich nichts über die Herstellungsbedingungen in Erfahrung bringen.

Für mich war aber klar, dass das nächste Kleidungsstück „fair“ sein soll und ich mich zuerst informieren möchte, was das überhaupt bedeutet: fair.

Ein bisschen Google hier und da brachte mich auf einen Store für faire Kleidung.

Also habe ich Avocadostore.de zum Thema fair Fashion1_Mimi Sewalski_Geschäftsführerin Avocadostore.de gefragt und kann mich wahrlich glücklich schätzen. Denn Mimi Sewalski, Geschäftsführerin des Stores, hat mir meine Fragen, welche ich gerne mit euch teilen möchte, persönlich beantwortet:
Woran erkenne ich, ob ein Kleidungsstück fair produziert wurde?

Es gibt zur Erkennung von nachhaltiger Mode nicht nur eine Zertifizierung. Aber der Verbraucher kann sich gut an den bekanntesten Siegeln orientieren.

Viele unserer Fashion-Labels sind mit Textilsiegeln wie dem „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) oder mit dem Siegel des „Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft“ (IVN) ausgezeichnet.

Beispielsweise garantiert das GOTS-Siegel fairen Handel und Umweltverträglichkeit über alle Produktionsstufen hinweg. Das Qualitätszeichen des IVN steht für Textil- und Lederprodukte, die garantiert ökologisch und sozialverträglich hergestellt wurden, frei von Schadstoffen und qualitativ hochwertig sind.

Ein weiteres bekanntes Siegel ist „Fair Trade“. Dieses Siegel steht für hohe Sozialstandards, Mindestpreise und für die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen in der Weiterverarbeitung.

Allein der Kauf von Bio-Baumwolle hat viele Vorteile: Sie wird ohne Pestizide angebaut, spart Energie und Wasser, und die Baumwollbauern erhalten einen fairen Preis für ihren Rohstoff.

Grafik_Bio-Baumwolle

Worauf kommt es bei fairer Kleidung an? Welche ökologischen und sozialen Aspekte sind besonders wichtig?

Es kommt darauf an, dass bei der Herstellung umweltfreundlicher und fairer Kleidung auf die gesamte Wertschöpfungskette geachtet und ob sie vom Hersteller transparent dargestellt wird. So sollten unnötige Transportwege vermieden werden, die Bezahlung von Produzenten sollte fair und sozial sein – und im Herstellungsprozess selbst sollten weitgehend auf Chemikalien und Schwermetalle verzichtet werden.

Jeans

Spielen Zertifizierungen und Prüfungen durch Dritte, beispielsweise NGOs eine wichtige Rolle?

Natürlich – sonst könnte sich jeder Hersteller sein eigenes Zertifikat ausstellen und seine eigenen Standards für nachhaltige Kleidung aufstellen. Eine Zertifizierung durch Dritte wie durch den Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft schafft Glaubwürdigkeit durch Kontrolle und gleichzeitig einheitliche und vergleichbare Standards. Darüber hinaus liefern sie dem Verbraucher eine Orientierung.

Können große Unternehmen, wie C&A oder andere überhaupt fair produzieren? Oder sind die Abnahmemengen dafür zu groß?

Große Unternehmen wie C&A können selbstverständlich fair produzieren, Bio-Baumwolle verarbeiten und sich für ihre nachhaltigen Mode-Linien zertifizieren lassen. Das ist sogar sehr wünschenswert, wenn auch große Marken und Hersteller ihre Ware umweltfreundlicher und fair produzieren lassen.

In der Regel ist das bei diesen Anbietern aber nur ein kleines Sortiment von nachhaltigen Produkten – sozusagen als Alternative zu der sonst konventionell hergestellten Ware.

Wenn alle Marken und Hersteller aber nur nachhaltige Produkte anbieten, müssten die Abnahmemengen in der Tat sinken, und wir Verbraucher unser Konsumverhalten ändern: Wir hätten weniger Kleidung im Schrank, würden unsere Kleidung länger tragen und nicht bei jedem Modetrend auswechseln. Bei Fashion müsste es nur noch um Qualität und nicht mehr um Quantität gehen.

Grafik_Bewusst Kleidung einkaufen

Worin sehen Sie die Vorteile eines Onlineshops im Vergleich zu einem regionalen Laden, besonders für faire Kleidung?

Ein Online-Marktplatz in der Größe wie Avocadostore.de kann dem Verbraucher für jedes herkömmliche Produkt eine nachhaltige Alternative anbieten. Ein regionaler Laden wird es von der Fläche allein nicht schaffen 2.000 Marken und über 130.000 Produkte anbieten zu können. Wenn jemand vegane Schuhe sucht, wird er sie bei uns finden – und zwar in einer großen Vielfalt.

Unser Sortiment reicht von Unterwäsche, über Socken, Hosen, Röcke, Kleider, Pullover, Blusen, Shirts, Schuhe, Sportbekleidung, Jacken und Mäntel bis hinzu Fashion-Accessoires wie Gürtel, Mützen und Taschen. Mit diesem Sortiment, unseren verschiedenen Modestilen und Fashion-Labels können wir viele unterschiedliche Kunden bedienen und die unterschiedlichsten Bedürfnisse befriedigen. Wir bringen damit Eco Fashion in die breite Masse, weil jeder bei uns Produkte findet, die er mag.

 

Mein Fazit:

Es ist wirklich faszinierend, wie ich hier Aspekte der Lebensmittelbranche zu fairen Rohstoffen wiedererkenne: Faire Löhne nach der internationalen Arbeitsorganisation, Energie- und Wassermanagement, Einsatz von Pestizide und faire Rohstoffpreise.

Voraussetzungen für diese Aspekte sind transparente Lieferketten und hohe Standards und ein gutes Monitoring System. Andere Branche, gleiche Herausforderungen.

Um Lieferketten zu verstehen und zu beurteilen braucht es häufig Experten, die prüfen können, ob ökologische Standards erfüllt werden oder die Menschen, die an der Herstellung des Kleidungsstückes beteiligt sind, gerecht behandelt werden. Ich glaube als Laie ist das schwierig.

Umso mehr schätze ich Orientierungspunkte, auf die ich mich als Verbraucher verlassen kann. Ein Siegel ist vermutlich ein Anfang. Was genau dahinter steckt, muss ich für mich erst noch erarbeiten.

Ein Laden, der ausschließlich nachhaltige Produkte verkauft, erleichtert mir die Suche und die Auswahl der für mich richtigen Produkte.

Sollte also wieder ein Pullover, T-Shirt oder Hose das Zeitliche segnen werde ich dort einkaufen, wo ich mir sicher sein kann, dass eine für Umwelt und Menschen faire Herstellung von Produkten geschätzt wird.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Nicole sagt:

    Hi! Danke für Deinen Bericht! Es müssen ja auch nicht immer neue Kleider sein; mittlerweile gibt es ja auch tolle Second-Hand Läden. In Basel, wo ich lebe, gibt es zum Glück mehrere Möglichkeiten. Darüber habe ich auch schon auf meinem Blog berichtet, vielleicht interessiert Dich der Artikel dazu? https://einfachnachhaltig.net/2017/08/09/wunderschoene-2nd-hand-boutique-in-basel/ Liebe Grüsse, Nicole

    Gefällt 1 Person

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