Lebensmittel retten für Fortgeschrittene

Wenn ich an das Retten von Lebensmitteln oder das Vermeiden von Lebensmittelabfällen denke, denke ich häufig gleich an Containern, Obst und Gemüse mit Macken, die ich bevorzugt kaufe, da sie kein anderer kauft oder an Apps, wie too good to go.

Das sind auch unterstützenswerte Lösungen um Abfälle zu vermeiden und ich bin immer wieder begeistert, was in den letzten Jahren alles passiert ist. Sogar Aldi bietet mit seinen „krummen Dingern“ bereits Obst und Gemüse „zweiter Klasse“ an.

Nun fallen allerdings über die Hälfte der Lebensmittelabfälle in den privaten Haushalten an und nicht im Anbau, im Handel oder in der Gastronomie.

Wie soll ich also an der größten Stellschraube drehen, bei mir?

Generell glaube ich, dass wenn ich aufmerksam bin und Lebensmittel wertschätze, nur noch sehr wenig Lebensmittelreste anfallen. Trotzdem kann ein bisschen „Theorie“ nicht schaden und die kann man sich sehr gut bei der Lebensmittelindustrie abschauen.

Für Unternehmen steht die Ökonomie und somit die Effizienz im Vordergrund. Lebensmittelabfälle sind für die Industrie ein Kostenfaktor, der vermieden werden will. Denn es entstehen Kosten, da weniger Produkte aus einer Tonne Rohstoff geschaffen werden kann, Maschinen häufiger gereinigt werden müssen und der Abfall letzten Endes entsorgt werden muss. Getrieben von diesen Kosten haben sich einige Unternehmen viele Maßnahmen einfallen lassen um Kosten und somit Food Waste einzusparen.

Häufig orientieren sich Lebensmittelhersteller an der Food Recovery Hierarchy der United States Environmental Protection Agency.

EPA_hierarchy_300ppi

Und das können wir auch. Denn sie ist ganz einfach.

Das Prinzip lautet: vermeiden vor verwerten. Und so startet auch die umgedrehte Pyramide. Ziel ist es also so einzukaufen und zu verarbeiten bzw. zu kochen, sodass überhaupt keine Abfälle entstehen.

Für uns bedeutet das, dass wir nicht mit hungrigen Magen einkaufen gehen sollten und im Laden nicht zu Dingen greifen, die nicht auf der Einkaufsliste stehen. Denn was später nicht gegessen wird, landet in der Regel im Müll. Gerade zur Weihnachtszeit oder zu Ostern ist das schwer, aber wo ein starker Wille ist, ist auch ein Weg.

Strukturiertes Einkaufen und nur die Menge zu kochen, die man auch wirklich isst, ist vermutlich die einfachste und beste Lösung um Lebensmittelabfälle zu vermeiden.

Wenn schließlich doch Reste anfallen, dann macht es Sinn, diese so gut wie nur möglich zu verwerten. Der Müll ist hierbei die letzte Lösung.

Feed hungry People

Wenn beispielsweise von einem Gericht etwas übrigbleibt, oder man noch Obst und Gemüse übrig hat und demnächst in den Urlaub fährt, dann kann man diese beispielsweise über Food Sharing anbieten oder seinen lieben Nachbarn oder Freunde fragen, ob sie Verwendung dafür haben. Gerade für übrig gebliebene Lebensmittel gibt es unzählige Lösungen und viele Communities, die sich hierbei engagieren. Zu Studienzeiten hatten wir an der Uni einen „roten Kasten“, in den man Lebensmittel, die noch verzehrbar waren, hinterlegen konnte und jeder Student konnte sich dort einfach bedienen. Für alle kostenlos und super einfach und unkompliziert.

Feed animals

Aber auch Reste, die man keinem mehr anbieten möchte, wie Karottenschalen, oder das Ende einer Salatgurke müssen nicht im Müll landen.

In der Lebensmittelindustrie können gerade mit solchen kleinen Resten mehrere Tonnen zusammenkommen, weshalb sie auch hier eine bessere Verwertung als den Deponieabfall gefunden hat.

Denn des Menschen bester Freund muss auch Essen um zu leben. Das Tier. Was also verzehrbar ist, jedoch nicht für den Menschen geeignet ist, könnte auf Freude beim Haustier stoßen. Bevor also die Karottenschale im Bioabfall landet, kann diese auch dem Meerschweinchen der Tochter oder des Nachbarn gegeben werden.

Industrial Uses

In den nächsten Schritten der Verwertungshierarchie wird es für uns etwas schwerer zu unterscheiden bzw. für uns die beste Verwertung zu finden.

Denn in der Industrie wird versucht, dass die noch übrig gebliebenen Reste, nicht kompostiert, sondern energetisch genutzt werden sollen.

So werden organische Abfälle, beispielsweise Lebensmittelreste, gesammelt und in Biogasanlagen gesteckt. Die daraus gewonnene Energie kann entweder dem Produktionsprozess zugeführt oder verkauft werden.

Composting

Erst wenn das nicht mehr möglich ist, landen Lebensmittelabfälle in der Kompostierung für Dünger oder andere Produkte.

Im privaten Haushalt haben wir nur die Wahl zwischen Bio-Abfall und Restmüll. Was mit dem Bioabfall passiert, können wir in der Regel nicht mitentscheiden. Jedoch ist die Verwertung über den Bioabfall mit Sicherheit sinnvoller als über den Restmüll.

Landfill

Denn der Restmüll ist die letzte Hierarchiestufe. Der sogenannte Nass-Müll wird in Deutschland in der Regel ebenfalls verbrannt und energetisch genutzt. In anderen Ländern landet er leider auf Deponien, was in der Industrie sowie für uns die mit Abstand schlechteste Lösung der Entsorgung von Lebensmittelabfällen ist.

Es liest sich vermutlich relativ kompliziert ist aber eigentlich ganz einfach. Wenn etwas übrigbleibt, was macht aus der eigenen Erfahrung am meisten Sinn? In der Regel orientiert man sich automatisch an dem theoretischen Rahmen. Man muss sich nur das eine oder andere Mal daran erinnern. Denn ich bin mir sicher, nur wenn wir bei uns selbst anfangen, können wir große Schritte gehen um Food Waste zu vermeiden.

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