5 Fragen an Nadine Gloor zu Food-Waste

Auf der Suche nach tollen Ideen gegen die Lebensmittelverschwendung bin ich auf ein tolles Konzept in der wunderschönen Schweiz gestoßen. Der Juckerhof bietet eine eigene Hofbäckerei und produziert dort leckeres Brot aus frischen Weizen vom eigenen Feld. Wie allerdings in fast jeder Bäckerei bleiben auch hier Brote am Ende des Tages übrig und es stellt sich die Frage, was man damit macht. Wegschmeißen? Nein! So dachten es sich jedenfalls die Schweizer und nutzen die Brote als Grundlage zum Bierbrauen.

Tolle Idee! Und Grund genug um fünf Fragen an Nadine Gloor der Jucker Farm AG zu stellen:

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Nadine Gloor arbeitet bei der Jucker Farm AG als Leiterin für Marketing & Kommunikation

Warum ist das Thema „Lebensmittelverschwendung“ für euch so wichtig?

Es geht um Ressourcen, die wir verwenden und die möchten wir nicht verschwenden. Viele Rohstoffe, die wir verwenden bauen wir selbst an. Wir pflanzen sie, wir pflegen sie, wir ernten sie, wir verarbeiten sie. Es steckt eine komplette Logistik dahinter und wir möchten nicht, dass diese Produkte verloren gehen.

Ein weiterer Faktor ist der Aufwand für unsere Küche oder auch für die Manufaktur und dabei geht es schlussendlich auch um Geld. Denn wenn die Köche etwas vorbereiten, wasdann einfach weggeworfen wird, ist das verlorene Zeit, verlorenes Geld. Unsere Köche haben selbst gesagt, dass kein Koch seine kreierten Gerichte gerne wegwirft. Das hat auch etwas mit dem Berufsstolz zu tun und es ist für uns wichtig, dass wir gut kalkulieren und alle unsere Ressourcen verwenden. Lebensmittelverschwendung ist derzeit ein großes Thema und besonders bei den großen Händlern schwierig. Es ist einfach unfair, wenn man bedenkt, wie viele Menschen hungern, wenig Geld haben, um Lebensmittel einzukaufen und wir schmeißen einfach unsere Sachen weg. Das geht nicht, weshalb wir anders vorgehen möchten.

Beispielsweise hatten wir viele Hagelschäden dieses Jahr auf den Kürbisfeldern, weshalb etwa die Hälfte der Kürbisse beschädigt war. Daraufhin haben wir eine Food-Waste-Kampagne gestartet mit dem Namen #schöner hagel damit die Leute diese Kürbisse, die innerlich einwandfrei sind und lediglich außerhalb Narben haben, trotzdem kaufen. Die Kampagne war sehr erfolgreich und konnte so einen Beitrag gegen Food Waste leisten.

Hofbäckerei_Frühling_Juckerhof
In der Hofbäckerei der Juckerfarm werden täglich frische Brote gebacken

Und das gleiche machen wir mit dem Brot. Denn das Brot möchten wir frisch zubereiten und frisch anbieten. Unser Betrieb ist sehr wetterabhängig. Wenn beispielsweise gutes Wetter gemeldet ist, bereiten unsere Bäcker viele Brote vor, wenn es dann jedoch regnet, hagelt oder schneit, haben wir zu viel Brot und es stellt sich die Frage, was wir damit machen. Zum einen stellen wir daraus z.B. Brösel für Klöße her und zum anderen neu eben auch Bier.

 

Wie seid ihr auf die Idee mit dem Brot gekommen?

Die Idee enstand aus dem Gedanken, Brot wiederzuverwenden welches wir nicht brauchen. Dabei arbeiten wir mit einem Partner zusammen: St. Laurentius Craft Beer aus Bülach. Denn wir brauen das Bier nicht selbst, sondern liefern die Zutaten (z.B. Weizen und Brot) an die Brauerei. Diese brauen bereits ein Brotbier und haben somit die entsprechende Expertise. Das Besondere an unserem Bier ist, dass das verwendete Brot im Holzofen gebacken wird. So hat es eine leicht holzige und rauchige Note, welche das Bier besonders macht.

War es schwierig die Idee umzusetzen?

Ja und Nein. Denn unser Partner hat bereits Erfahrungen darin ein Brotbier herzustellen. Allerdings musste auch für unser Bier viel ausprobiert und degustiert werden. Gerade unser handwerklich hergestelltes Brot ist nicht immer homogen und wir bieten verschiedene Brote an. Wir bauen den Weizen selbst an und mahlen ihn auch selber. Anders als bei großen Mühlen, bei denen häufig große Mengen Weizen unterschiedlicher Herkunft eingesetzt werden. Die Folge ist, dass die Qualität des Mehls aus den Mühlen häufig gleich ist. Das ist bei uns natürlich nicht so, weshalb jedes Brot ein wenig anders schmeckt. Deshalb schmeckt auch das Bier nicht immer gleich. Das stellte unseren Partner in der Produktion vor Herausforderungen, aber er hat das sehr gut hinbekommen.

Was ist seit der Idee passiert? Wie hat sie sich entwickelt?

Die Idee kam sehr gut an. Wir degustieren einmal im Monat neue Produkte und das Bier fanden wir alle gleich super! Wir produzieren derzeit mit unserem Partner und im November oder Dezember wird es in unseren Hofläden angeboten werden. Darauf freuen wir uns schon sehr!

Und das wichtigste: Wie schmeckt ein Bier aus altem Brot?

 Es schmeckt richtig lecker. Vor allem der Holzgeschmack ist besonders und zeigt einen tollen Charakter. Bei einem Wein würde man vermutlich sagen, dass er wie aus dem Barrique schmeckt. Das Bier lagerte natürlich nicht im Holzfass aber durch den Holzofen hat es eine sehr holzige und rauchige Note.

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