Verpackte Produkte im verpackungsfreien Markt.

Wenn ich durch den Supermarkt laufe, schüttele ich den Kopf und kann mich nur wundern. Alles ist verpackt! Ich verstehe nicht, warum ein Dreier-Pack Paprika in Folie eingeschweißt wird oder eine Gurke. Eine Gurke! Als hätte sie nicht selbst eine Funktion zum Schutz des Produktes. Die Natur sollte mal etwas in dieser Art erfinden. Eine Art Schutzhülle, Schale oder ähnliches. Ich warte nur noch darauf, dass Bananen oder Orangen einzeln eingeschweißt werden um sie zu schützen, oder welchen Zweck dies auch immer hätte. Besonders gefallen haben mir Kaffeekapseln eines Discounters, welche zuerst in einem Karton sind, dann in einer Folie und schließlich der Kaffee von der Kapsel an sich umschlossen wird.

Warum das alles? Welchen Zweck erfüllen Verpackungen?

In der Tat erfüllen Verpackungen an sich mehrere sinnvolle Zwecke. Sie schützen das Produkt beim Transport, erleichtert bei bestimmten Produkten die Handhabung, konservieren das Produkt, informieren über den Inhalt und informieren über ihre sachgerechte Verwendung und Entsorgung. Dies trifft vermutlich auf einige Produkte berechtigterweise zu. Ich frage mich, wie ich alternativ Joghurt oder Milch einkaufen würde. Seit ein paar Jahren schießen neue Laden-Konzepte wie Pilze aus den Böden, die sich genau diese Frage stellen. Wie kann ich Lebensmittel verpackungsfrei einkaufen. Diese Märkte erfreuen sich großer Beliebtheit und gehen dem ambitionierten Ziel entgegen die Umwelt von dem vielen Verpackungsmüll zu befreien. Das finde ich toll, frage mich jedoch, ob der Umweltschutz sich nur auf die Verpackung bezieht oder auch die Konsequenz des entsprechenden Umgangs mit dem Lebensmittel mit einbezogen werden sollte.

Verpackungen erfüllen mal mehr, mal weniger den Zweck des Schutzes und haltbar machens eines Lebensmittels. Besonders bei schnell verderblicher Ware ist dieser Zweck wichtig. In der heutigen Gesellschaft werden ungefähr ein Drittel aller Lebensmittel weggeschmissen. Es beginnt im Anbau bzw. bei Nachernteverlusten, in den Verarbeitungsprozessen, in der Distribution, im Handeln und beim Endverbraucher. Das hat Folgen, die nicht zu unterschätzen sind. Würde man den CO2 Ausstoß durch Lebensmittel, die weggeschmissen werden mit Ländern vergleichen, so wären Lebensmittelabfälle der drittgrößte CO2 Emittent nach USA und China. Noch vor der Indien.FLW_graphic2 Wie lange das so bleibt nach dem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, ist zwar fraglich, jedoch zeigt diese Größenordnung sehr gut, von welchen Mengen wir reden. FLW_graphic1Kernaufgabe sollte es neben der Vermeidung von Plastikabfällen sein, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Hierbei ist das Haltbarmachen durch Verpackungen nach meiner Meinung wichtig. Deutschland gehört in Europa zu den Ländern, die am meisten Verpackungsabfall produzieren. Das Beispiel der Paprika zeigt, dass einiges dieser Verpackungen vermeidbar ist. Solange aber eine Verpackung den richtigen Zweck erfüllt, hat sie für mich eine Daseinsberechtigung und könnte auch in einem „verpackungsfreien“ Laden auffindbar sein, da sie das gleiche Ziel, den Umweltschutz verfolgt.

Allerdings ist Verpackung nicht gleich Verpackung.

Wir haben in Deutschland das Glück, über ein sehr gutes Recycling System zu verfügen, weshalb Kunststoffe aufbereitet und als sogenanntes Rezyklat erneut eingesetzt werden können. Sicherlich in einer anderen Qualität als neues Material, aber auch dafür gibt es Bedarf. Rohrleitungen, Parkbänke, sogar Kayaks können aus dem neuen Material geschaffen werden und spart somit Ressourcen. Dieser Prozess ist jedoch abhängig vom Ausgangsmaterial. Also welche Beschaffenheit die Verpackung hat, die wir verwerten. Je besser, desto besser der neue Rohstoff. Logisch. Der grüne Punkt gibt daher Hinweise, wie Verpackungen geschaffen sein sollten, damit diese gut recycelt werden können. Es sollte in der Regel ein sogenanntes Monomaterial sein, also aus einem Grundstoff bestehen. Je heller die Verpackung, desto besser kann sie recycelt werden. Sollte eine Verpackung nicht nur aus einem Stoff bestehen, beispielsweise der Joghurt Becher (aus Plastik) und der Deckel (aus Aluminium), dann sollten diese getrennt in den gelben Sack gegeben werden. Der Grund ist einfach, da die Sortieranlagen maschinell funktionieren und über Förderbänder der jeweilige Stoff dem richtigen Stoffstrom zugeführt wird, läuft der Aludeckel bei Plastik mit, da dieser maschinell nicht vom Becher getrennt werden kann. Bedeutet also, dass das wertvolle Aluminium verloren geht und zugleich die Qualität des Rezyklats aus Kunststoff verschlechtert.

Mein Fazit ist also, dass die Wahrheit mal wieder in der Mitte liegt. Verpackungen existieren viel zu viele. Ein Vermeiden macht dort Sinn, wo die Verpackung keinen Sinn macht. Wenn man allerdings ein Produkt vor Verderblichkeit oder Verunreinigung, beispielsweise im Transport, schützen kann, ist sie vermutlich die bessere Lösung im Vergleich dazu, dass ein Teil der Lebensmittel weggeschmissen wird.

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