Palmöl ist böse, oder?

Vor ein paar Tagen hatte ich eine Unterhaltung mit meiner Tante in der es um Lebensmittel und deren Zusammensetzungen ging. Wie wir auf das Thema gekommen sind, weiß ich zwar nicht mehr aber vermutlich hatten wir uns bereits ausgiebig über das Wetter unterhalten und haben uns vom gedeckten Mittagstisch inspirieren lassen.

Schließlich kamen wir recht schnell zum Thema Palmöl, von welchem wir uns auch schnell wieder verabschiedeten, nachdem ihre Aussage „Ih! Palmöl! Ich würde ja nie etwas mit Palmöl kaufen!“ von einem gefolgten „Naja das zerstört ja die Wälder und andere Öle sind sowieso viel besser für die Umwelt“ wenig Chance auf eine Diskussion lassen wollte.

Immer wieder wird man in dieser Ansicht bestätigt, indem diverse Artikel oder Kommentare in Social Media ähnliche Ansichten teilen.

In der Tat sollte man meinen, dass in Zeiten des Klimawandels und einer sinkenden Biodiversität die Menschheit gelernt hätte und keine Primärwälder für Anbauflächen für kostbares Palmöl rodet oder Arbeitsstandards nicht erfüllt werden. Da scheint der Boykott die richte Lösung. Beziehungsweise der Umstieg auf alternative Öle, denn das Schokoaufstrich soll ja trotzdem schmecken.

Nun machte ich mich auf die Suche, warum denn Palmöl in der Industrie so beliebt ist und ob der Umstieg auf Alternativen tatsächlich die sinnvollste Lösung ist.

Für die Lebensmittelindustrie ist der Vorteil klar. Palmöl ist relativ günstig und lässt sich hervorragend verarbeiten. Es hat eine bestimmte Viskosität, die bei Raumtemperatur fest ist, im Munde jedoch dahin schmilzt. Glückwunsch!

Und Ökologisch?

Im Vergleich zu anderen Ölen ist eine Palmölpflanze ziemlich effizient. Sie braucht 5-10 mal weniger Landfläche als andere Öle, lebt 20-25 Jahre und kann bis zu 15 mal jährlich geerntet werden. Im Vergleich verbraucht sie also weniger Ressourcen pro Kilo, es werden weniger Pestizide eingesetzt und weniger Anbaufläche „geschaffen“. Warum sollte man also auf Palmöl verzichten, was den Einsatz andere Pflanzenöle in der Herstellung von Produkten zu Folge hätte, die viel Platz und Ressourcen benötigen. Nach Schätzungen des WWF würde die benötigte Fläche von 397.781 ha für Palmöl auf 1,85 Mio. ha für Ersatzöle steigen. Es wäre nahe liegend, dass über kurz oder lang vermutlich mehr Waldfläche weichen muss, als dies bei effizienteren Pflanzen der Fall ist.

Für mich stellt sich nicht nur die Frage, was angebaut wird, sonder vor allem wie.

Und hier wird es interessant, da es verschiedene Arten von Palmöl gibt, die eingekauft werden können. Man kann beispielsweise komplett unzertifiziertes Palmöl kaufen, wie beispielsweise im Biosprit für unsere geliebten Autos eingesetzt wird. Bereits 46 Prozent des nach Europa eingeführten Palmöls geht in die Energiegewinnung. Der größte Teil in den Biodiesel und ist in der Regel kein zertifiziertes Palmöl. Alternativ kann man beispielsweise nach verschiedenen RSPO Standards zertifiziertes Palmöl einkaufen oder, wenn man groß genug ist, eigene Standards setzen.

RSPO steht für „Roundtable for Sustainable Palmoil“ und wurde 2004 vom WWF gegründet und will erreichen, dass Wälder geschützt und auf Palmölplantagen mehr für Naturschutz und Menschenrechte getan wird. Dazu gehört das Verbot neuer Rodungen, der Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, Schutz von Wasser, Boden und Luft, Einhaltung von Landnutzungs- und Eigentumsrechten, Verbot von Kinderarbeit und die Unterstützung von Bildung und die Auditierung durch unabhängige autorisierte Prüfer.
Klingt nett, ist es auch. Reicht aber bei weitem nicht aus!

Das günstigste Palmöl nach RSPO ist das sogenannte Mass Balance, was einfach ein Mix aus zertifizierten Palmöl aus den Standards und nicht-zertifiziertem ist. Quasi „ja, man macht was, aber nur so ein bisschen“. Bei den beiden anderen Standards werden zertifizierte und nicht zertifizierte Fette voneinander getrennt behandelt und unterscheiden sich nur noch in der Rückverfolgbarkeit des Fetts bis zur konkreten Plantage bzw. bis zur Mühle.

Transparenz ist in Lieferketten generell besonders wichtig. So können Fehler erkannt werden und dagegen angegangen werden. Wenn die Standards dahinter hoch genug sind. Bei RSPO wird von „schützenswerten Wäldern“ gesprochen, umfasst allerdings in erster Linie Primärwälder, aber keine Torfmoore oder andere CO2-Speicher. Auch soziale Aspekte, wie der Arbeitsschutz sollten strenger sein.

Wenn man allerdings die Standards vor 2004, also vor dem runden Tisch, betrachtet und heute, so hat sich bereits einiges getan. Die Kriterien für neue Palmöl-Plantagen sind strenger, ebenso wie der Schutz der Wälder und deren Biodiversität. Einige Unternehmen gehen bereits heute über die Standards der RSPO hinaus und verpflichten sich selbst zu mehr Schutz von Torfmooren und anderen Flächen, sowie zu strengeren Kontrollen der Arbeitsbedingungen im Anbau.

Strengere Kriterien bieten zudem einige Siegel zum fairen Handel und dem biologischen Anbau. Sie legen einen besonderen Wert auf den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt, sowie auf soziale Komponenten. Einen Überblick über die jeweiligen Siegel, und welche Standards dahinter stehen, können auf label-online.de nachvollzogen werden. Die Plattform wird von der NGO Verbraucher Initiatve e.V. betrieben und bewertet unabhängig verschiedene Label der Lebensmittelindustrie.

Ein Verzicht auf Palmöl ist für einzelne Produkte und für eine kleine Gruppe an boykottierenden ganz nett, allerdings vermutlich nicht Massentauglich. In den Produkten des täglichen Bedarfs, also Lebensmittel oder Hygiene-Artikel würde in den meisten Fällen nur ein Wechsel zu einem weniger effizienten Fetten bzw. Ölen stattfinden und somit mehr Landflächen benötigt werden bei möglicherweise niedrigeren Umweltstandards als bei Palmöl.

Daher ist mein Fazit, dass Palmöl an sich zwar nicht sonderlich gut ist aber das vermutlich kleinere Übel. Die Frage ist lediglich, wie es angebaut wird. Der Weg geht bereits in die richtige Richtung, sofern der Hersteller zertifiziertes Palmöl einkauft oder höhere Standards setzt, jedoch sind die Standards in der Regel weiter ausbaufähig. Für uns bedeutet das, dass der richtige Weg leider etwas mühseliger als ein einfacher Boykott ist. Es sollten höherer Umwelt- und Sozialstandards im Palmölanbau gefordert werden und kein Umschwenken auf eine vermeintlich schlechtere Alternative.

 

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